wie es weiter geht...


Düsseldorf

Zögernd blickte ich Christoph an, als wir durch die Straßen Düsseldorf's fuhren und er mir sagte "Du hast Talent, das wäre doch total dein Ding!"

Eine Woche hatte ich mit ihm verbracht. Ich habe sinnlose, schöne und interessante Fotos unter Anleitung machen dürfen. Ich durfte sehen, wie es ist, wenn man selbstständig ist und jeder Morgen began mit einem ausgewogenen Frühstück mit ihm.


Ich hatte schon zuvor ein Praktikum bei einem Werbefotograf absolviert, während sich meine damalige Klasse auf Klassenfahrt befand.
Meine Eltern wollten mir diese aber nicht bezahlen & so suchte ich nach einem außerschulichen Zeitvertreib.


Dieses Mal allerdings, war es geplantes Schulpraktikum und ich überlegte lange, was ich gerne machen würde...auch nach der Schule.

Ich hatte absolut keinen Plan.

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Nachdem wir vor einer Ampel Halt machen mussten - was in Düsseldorf ja ständig vorkommt -
Schaute ich ihn etwas belustigt an und sagte " Fotografin werden?...Dafür mache ich doch kein Abitur!"

Fotografin war für mich kein Traumberuf. Keine erstrebenswerte Stellung.
Wozu lerne ich denn alles über Genetik, Lyrik, Analysen und Kompositionen...?

Nein, ich bedauere, lange war das für mich unvorstellbar. Ich dachte nicht mal im entferntesten daran, mein Hobby zum Beruf zu machen.

Und viele kreative Freunde pflegten auch zu sagen " Wenn du das zu deinem Beruf machst, dann musst du auf Knopfdruck kreativ sein! Da vergeht einem doch die Freude !"

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Alltag oder so etwas Ähnliches

Zurück in meiner Heimat allerdings, ließen mich alle die Eindrücke und Dinge, die ich gesehen habe nicht in Ruhe.
Ich sah die Welt schon immer in Bildern, aber jetzt waren es nur noch Bilder aus denen die Welt bestand. Ich konnte nicht mehr an schönen Ecken vorbei gehen, ohne mir vorzustellen dort zu fotografieren, ohne mir vorzustellen, wie das Licht alles komplimentiert.

Es kitzelte mir in den Fingern. Im Herzen.

Zu dieser Zeit war mein Leben auch in einem riesigen Umbruch. Alles veränderte sich um mich herum. Meine damalige Beziehung ging in die Brüche, ich verließ vollständig mein Elternhaus und war von dann komplett auf mich alleine gestellt.

Mein Ventil um das alles zu verarbeiten waren die Bilder und die Musik.
Ich komponierte wie wild, sang mir alles aus der Seele und in den Bildern blieb ich stumm und dokumentierte meine Gefühlswelt.

Irgendwann hatte ich genug Geld um mir eine einfache Spiegelreflexkamera zulegen zu können, die auch noch lustige Filter hatte. Damit experimentierte ich unglaublich viel herum.

Und nachdem ich mich dann auch bei Facebook angemeldet hatte, erstellte ich dort einen Ordner mit meinen ersten Bildern.





Manche Bilder waren aber auch einfach zu persönlich, sodass sie bis heute auf meiner Festplatte versteckt bleiben. 

Ich hatte keine Ahnung von Fotografie damals. ich wusste nicht, was eine Blende ist, wozu man ISO braucht oder warum es eine Verschlusszeit gibt.


Ich experimentierte lustig drauf los.





ich bearbeitete meine Bilder immer extrem Farbgesättigt und da ich kein Geld hatte auch nur mit einer Onlinebildbearbeitung.


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Und dann kam Clara

So beginnt das nächste Kapitel in meiner Geschichte. Nachdem ich wie wild Fotos nach der Schule machte und immer mehr Menschen von mir fotografiert werden wollten, war die Begeisterung nicht mehr aufzuhalten. Es wurde einfach ein Hobby, dass ich nicht pausieren lassen konnte.

Und so kam es eines Tages, auf dem Zurlaubener Fest, dass meine Freundin Clara (Übrigens die hübsche Blondine oben, die am Flieder schnuppert) mir sagte " Mach was draus Maria! Du hast Wiedererkennungswert!"

Bääääääm. Da war er ja schon wieder, dieser Satz.
Diesmal unüberhörbar. Diesmal viel vorstellbarer. Aus meinem Umfeld unterstützten mich immer wieder liebe Menschen, empfohlen mich weiter und buchten mich. Das gab mir das Gefühl, dass man eventuell ja doch auch davon leben könnte - auch wenn ich damals kaum Geld verlangt habe. Ich empfand meine Bilder auch einfach noch nicht so gut, als das ich hätte mehr verlangen dürfen.

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Schwarze Phase meines Lebens

und dann kam diese Zeit, die alles in mir zum schweigen brachte. Auch die Lust auf die Fotografie.
Tagelang verbrachte ich die Stunden damit an die Decke zu starren. Tagelang konnte ich nichts essen und war wie gelähmt.
Die Welt drehte sich einfach weiter, aber für mich stand sie still.
Der Tod meines Bruder hinterließ ein so tiefes Loch und alle Menschen um mich herum, mein damaliger Freund, meine besten Freunde, vermochten es einfach nicht, mich aus diesem Loch zu ziehen.
Hinzu kam, dass ich eigentlich keine Zeit zum trauern hatte, denn in 3 Wochen sollte ich das Abitur schreiben. Und bei Gott, ich hatte damals wirklich keinen Kopf dafür.




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Nachdem das Abitur bestanden war und ich mir anschaute, wie alle meine Mitschüler mit ihren Eltern und Familien feierten, blieb in mir nur ein schmerzender Stich. Meine Familie, die Person, die ich über alles liebte, konnte nicht bei mir sein.
Er lag unter der Erde.

Tod, das war etwas, das ich nicht kannte. Jetzt bestimmte es mein Leben.

Und so war die Schule vorbei und gleichzeitig mit ihr das Kapitel mit meiner Familie.
Während ein Tod manchmal Familien wieder zusammen bringt, hat er die Kluft bei uns noch vergrößert und zum letztlichen Separierung geführt.


Im Nachhinein weiß ich, dass das gut war. Damals hat es einfach nur weh getan.

Im Nebel dieser Gefühle musste ich mich jedoch bald für meinen nächsten Schritt entscheiden.
Unfähig dazu, meinem Wunsch zu folgen und in eine andere Stadt studieren zu gehen, neu anzufangen, blieb ich da, wo ich mich in dem Moment aufgehoben fühlte. Bei meinem Freund.
Er studierte noch in Trier und ich konnte nicht weggehen ohne ihn. Er war meine Familie und so verloren, wie ich mir vorkam, konnte ich mir ein Leben weit weg ohne seine behütenden Umarmungen wenn ich mal wieder in den Tränen versank, nicht vorstellen.

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Studium

So darf ich es eigentlich nicht nennen.
Es war ein Zeitschinder, vielleicht ein klitzekleiner Wunsch nach Normalität. Etwas zu machen, wie es auch die anderen machen. In Trier bewarb ich mich für Italienisch und Geschichte.
Aber so sehr ich diese Fächer zu Schulzeiten mochte, umso langweiliger kam es mir im Studium vor.
Die Wartezeit bis zum Studiumsbeginn verbrachte ich mit fotografieren. Es lenkte mich ab.
Und ehe ich mich versah, wurde es zu meinem Lebensmittelpunkt.

Ich begann wieder die schönen Seiten im Leben zu sehen, bzw. sie anderen zu zeigen.
Es war nicht mehr eine bloße Knipserei - Es wurde eine Selbstaufgabe.

Und so wagte ich den Schritt und entschied mich meinen Studiengang abzubrechen und etwas künstleriches zu machen.

Noch bevor ich mich in Dortmund beworben hatte, bekam ich ein Angebot für eine Ausbildungsstelle zur Mediengestalterin Bild & Ton.

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Filme?

Ob ich es wirklich so mit dem bewegten Bild und all der Technik darum herum habe?
Ich sollte schnell feststellen, dass der Film mir neue Horizonte eröffnete meine zwei Vorlieben für das Bild und die Musik zu vereinen.


Nach 2 1/2 Jahren in Trier, Koblenz & Köln, einem Berufsunfall und einer Trennung von meinem damaligen Freund stand ich nun abermals an diesem Punkt.

Wie geht es weiter?


Längst hat mich das Leben einiges gelernt und die verängstigte und unsichere Maria gibt es nicht mehr.
Wie Hildegard Knef es in ihrem Lied " für mich soll's rote Rosen regnen" besingt " ich will alles, oder nichts!"

Ich habe keine Angst mehr.
Angst lähmt.

Angst macht unfähig, die Dinge zu erreichen, die man sich tief innerlich wünscht.

Ich hatte damals vor Christian's Tod Angst.
In dem Moment, in dem ich wusste, er wird vor mir sterben, begann jeder Tag mit Angst. Jeder Morgen konnte der letzte sein.

Ich hatte auch Angst vor dem Tod.
Nun habe ich ihn gesehen, erlebt, gefühlt.

und ich lebe noch und wieder.

Der Tod ist nicht das Ende, aber er kann schneller kommen, als man denkt und die einzige logische Konsequenz, die ich aus dem Ganzen ziehe ist das:

Wir sollten das leben, was uns glücklich macht und keine Sekunde verschwenden, mit Dingen, die uns kaputt machen.
Dazu gehören Menschen, die einem nicht gut tun.
Dazu gehört der falsche Job, der vielleicht gewinnbringend ist, aber Zeit raubt und krank macht.
Dazu gehört eine falsche Lebensweise, die uns die Gesellschaft auferlegt.

Wir sind alle frei. Wir haben jeden Tag die Entscheidung, etwas anderes zu machen.
Wir können aus dem System ausbrechen und unser eigenes Wohlfühlsystem kreieren.

Und das habe ich nun getan.
Ich habe mich komplett selbstständig gemacht.

Ich lege mir meine Termine, meine Urlaube wann und wo und wie ich möchte.
Ich arbeite, wann und wo ich möchte.
Ich habe genug Zeit, für die Menschen, die mir am Herzen liegen, für's reisen.

Ich kann endlich wieder kreativ sein. Musik machen, Drehbücher schreiben, malen, fotografieren.
Alles was ich liebe, ist heute mein Beruf.

Und wer weiß, vielleicht hätte ich nicht selbstständig sein können, wenn ich nicht all das erlebt hätte, was ich erlebt habe. Wenn ich nicht all die Menschen kennenlernen durfte und menschliche Abgründe kennengelernt hätte...

Es ist soviel schönes und dankbares da draußen, wofür es sich lohnt zu leben.
Augen auf, wir sind ein Teil dieses großen Ganzen!

Werft eure Ängste über Bord und lebt !



Das Leben ist zu kurz um den falschen Job zu haben. Der Job macht mehr als die Hälfte eures Lebens aus, deswegen liebt ihn !

Ich bin überglücklich meinen Beruf gefunden zu haben...und Christoph, du hattest Recht ! Ich bin eine Fotografin geworden. Aber gleichermaßen eine Filmerin und Malerin...





DANKE an alle, die mich bis hierhin unterstützt haben und es immer noch tun ! <3

Alles was ich liebe ist nun vereint in meinem Beruf. Die Menschen, die Kunst, die Freiheit - Das Leben !

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Für alle, die mir auf dem kreativen Weg folgen möchten, habe ich eine neue Facebookseite eröffnet, die ich in den kommenden Tagen posten werde. Maribelle Photography bleibt den Fotos vorenthalten, aber auf der neuen Seite gibt es dann Filme, Bilder und Fotos zu sehen :)

Kommentare

  1. Ein wunderschöner Post und eine so starke Geschichte.. Ich weiß gar nicht was ich noch sagen soll - es ist toll, dass du deinen Weg gehst! :)

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